Spinnen

Ein Handwerk, das eng mit dem bäuerlichen Leben im 18. und 19. Jahrhundert
verknüpft ist. Es war notwendig, um aus dem Faden wärmende und auch zweckmäßige Kleidung und Stoffe für den Haushalt herzustellen. Als Rohmaterial dienten Schafwolle und Flachs (Leinen).

 

Aus dem Wollfaden - teilweise mit unterschiedlichen Naturfarbstoffen eingefärbt - wurden z. B. Strümpfe, Jacken und Pullover gestrickt oder Stoffe für Röcke, Mäntel oder Tücher gewebt. Aus dem Leinengarn wurden Stoffe für Haushaltswäsche und
Unterbekleidung gewebt.

 

Wenn wir, einige Frauen der Steinbekers, uns im Rahmen von Handwerkermärkten an das Spinnrad setzen, dient das fast ausnahmslos der Demonstration eines alten Handwerks. Nur teilweise wird die gesponnene Wolle zum Stricken von Socken oder zum Bildweben genutzt.

 

Für den Spinnvorgang sind Fingerspitzengefühl, Ruhe, ein leichtläufiges Spinnrad und gut vorbereitetes Rohmaterial erforderlich. Früher wurde das geschorene Wollvlies nur vom losen, groben Schmutz gereinigt, da das natürliche Wollfett den Spinnvorgang erleichterte.

 

Wir verspinnen industriell vorbereitete Wolle, ein so genanntes Vorgarn in naturweiß oder eingefärbt.

 

Beim Spinnen werden die Wollfasern haltbar miteinander zu einem ersten Faden verdreht. Zu Beginn muss ein Hilfsfaden von der Spule über die Häkchen durch ein Loch in der Achse gezogen und fest in das Vorgarn eingezwirbelt werden. Für das Spinnen ist es wichtig, das Spinnrad mit dem Fußtritt gleichmäßig in Schwung zu halten. Um einen dünnen Faden zu bekommen, müssen die Fasern gleichmäßig aus dem Vorgarn gezupft werden. Im Zusammenspiel von Fingern und Fuß verdrehen sich die Fasern zu einem Faden, der allmählich die Spule füllt. Der so gesponnene Faden muss noch mit einem 2. oder 3. Faden verzwirnt werden, um ihn haltbarer, dicker und überhaupt verarbeitbar zu machen.

 

Zum Erhalt farbiger Wollfäden wird der Faden auf einer Haspel zu Bunden gewickelt und im Bund eingefärbt.

 

Unsere Spinnräder sind entsprechend alter Vorlagen nachgebaut worden. Es lässt sich auch mit einer Handspindel – ein einfaches und sehr viel älteres Spinngerät – ein Faden spinnen. Das ist mühsam und erfordert Geduld sowie Fingerfertigkeit.

 

Spinnen ist zwar insgesamt ein kompliziert anmutender Vorgang, aber es lässt sich mit der entsprechenden Übung auch nebenbei Plaudern und dient sogar der Entspannung.